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FOTOGESCHICHTE - Heft 109

Räumliches Sehen. Die Stereoskopie im 19. und 20. Jahrhundert

FG_109_cover.jpg

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  • Leseprobe: Editorial (pdf, 1899 Kb)
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Die Stereoskopie ist (fast) so alt wie die Fotografie und ein frühes Beispiel für die Massenproduktion von Bildern: Bereits 1851 wurden auf der Londoner Weltausstellung innerhalb von drei Monaten mehr als 250.000 stereoskopische Ansichten verkauft. Der erste Höhepunkt der Begeisterung für das räumliche Sehen fällt in die 1860er Jahre. Im Jahr 1862 verkaufte die London Stereoscopic Company über eine Million Aufnahmen und kreierte den populären Werbeslogan "Keine Familie ohne Stereoskop!" Die Stereoskopie war aber auch um die Jahrhundertwende beliebt und erlebte – was weniger bekannt ist – auch in der Zeit des Nationalsozialismus eine Renaissance. Die Beiträge beleuchten neue Facetten in der Geschichte der Stereoskopie, einem lange Zeit vernachlässigten Genre der populären Fotografie.

Timm Starl beschäftigt sich einleitend mit den sozialen Effekten des stereoskopischen Schauens. Er diagnostiziert in der apparativen Vereinzelung des stereografischen Sehens eine Tendenz zu passiven und privaten Seherlebnissen. Lars Blunck geht den in den 1850er Jahren einsetzenden Versuchen nach, das räumliche Sehen mit dem bewegten Bild in Verbindung zu bringen. Er kann zeigen, dass die Suche nach dem 3D-Film älter ist als die Geschichte des Films. Sebastian Fitzner hat die kurze Renaissance der Stereoskopie in der Zeit des Nationalsozialismus erforscht. Hitler persönlich, so argumentiert er, hat sich für das Programm des räumlichen Sehens begeistert. Der Autor untersucht, inwieweit die mediale "Raumsehnsucht" in der NS-Zeit auch mit den gesellschaftlichen und politischen Raummetaphern der Eroberung in Verbindung steht.

Die weiteren Beiträge verlassen den Themenschwerpunkt "Stereoskopie". Hans-Jürgen Lechtreck beschäftigt sich mit Roger Fentons Fotografien (1856–1858) von Gorillas im British Museum und beleuchtet die Rolle, die die Bilder in den frühen Debatten um die Evolutionstheorie spielten. Bernhard Kathan schließlich stellt ein Fotoprojekt der schwedischen Künstlerin Hanna Sjöberg vor.

BEITRÄGE

Anton Holzer: Editorial

Timm Starl: Zur Dimension von Stereobildern

Lars Blunck: "Zugleich körperlich und bewegt". Antoine Claudet, Jules Duboscq und die Anfänge der stroboskopischen Stereofotografie

Sebastian Fitzner: "Raumrausch und Raumsehnsucht". Zur Inszenierung der Stereofotografie im Dritten Reich

Hans-Jürgen Lechtreck: Evolution vor der Kamera. Roger Fenton und Richard Owen im British Museum 1856–1858

Bernhard Kathan: Außerhalb des Bildrandes. Hanna Sjöbergs "Großvaterkaleidoskop"

REZENSIONEN

Anton Holzer: Irme Schaber, Richard Whelan, Kristen Lubben (Hg.): Gerda Taro. From the Collection of the International Center of Photography – New York: International Center of Photography, Göttingen: Steidl, 2007.

Timm Starl: Sarah Greenough and Diane Waggoner with Sarah Kennel and Matthew S. Witkovsky: The Art of the American Snapshots 1888 – 1978. From the Collection of Robert E. Jackson – Washington: National Gallery of Art in association with Princeton University Press, 2007.

Benjamin Städter: Jörn Glasenapp: Die deutsche Nachkriegsfotografie. Eine Mentalitätsgeschichte in Bildern – München: Wilhelm Fink Verlag 2008.

Jörn Glasenapp: Anthony W. Lee und Richard Meyer: Weegee and Naked City, Defining Moments in American Photography, Volume 3. Berkeley: University of California Press 2008.

Anton Holzer: Frankierte Fantastereien. Das Spielerische der Fotografie im Medium der Postkarte. Aus den Postkartensammlungen von Gérard Lévy und Peter Weiss, hg. von Clément Chéroux und Ute Eskildsen, mit einem Text von Clément Chéroux – Göttingen: Steidl, 2007.

Ute Wrocklage: Emmanuel Guibert, Didier Lefèvre, Frédéric Lemercier: Der Fotograf; Band 1: In den Bergen Afghanistans; Band 2: Ärzte ohne Grenzen (erscheint Herbst 2008); Band 3: Allein in Pakistan (erscheint Frühjahr 2009) – Aus dem Französischen: Martin Budde – Zürich: Edition Moderne, 2008.

FORSCHUNG

Katrin Engmann: Beobachtungen in Amerika (1969) – Fotografien von Kurt Heinrich Hansen

Miriam Halwani: Marginalien zur Fotografiegeschichtsschreibung. Mythen und Methoden

Jonasverlag

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  • Einzelbeitrag (PDF) 10,00  €

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  • 2008
  • Softcover
  • 21×29,7 cm
  • 80 Seiten
  • Zahlreiche Abbildungen

Sprache

  • deutsch

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